Hirschkonzert in der Waldlewitz

Einst nutzten schon die mecklenburgischen Herzöge die Wald- und Wiesenlewitz als Jagdrevier. Dieses Landschafts- und Vogelschutzrevier mit seinen berühmten Fischteichen liegt zwischen Schwerin und Parchim. Die großen Schilfbereiche und das Waldgebiet nördlich des Jagdschlosses Friedrichsmoor sind die Heimat von Rot- und Schwarzwild. Da es leider keinen offiziellen Ansitz zum Beobachten der Hirschbrunft gibt, fuhr ich über Tramm an die Alte Heide. Hier beginnt eine Traumziel-Wanderstrecke, welche ich 2016 erkundete. Sie führt auch an dem Schilfgebiet der Brahm- und Möwenteiche vorbei. Dies waren früher bewirtschaftete Fischteiche, die nun sich selbst überlassen sind und eigentlich perfekt als Brunftgebiet des Rotwildes dienen könnten. Über den Ganshorster Damm gelange ich immer entlang eines der vielen Wassergräben in die Waldlewitz hinein. Es dauert nicht lange, bis ich das erste Röhren links von mir vernehme, dabei ist es erst gegen 17.00 Uhr, die Dämmerung setzt noch lange nicht ein. Ich folge dem Dammweg Richtung Störkanal und biege gute 500 m vor der Wasserstraße links ab auf einen Stichweg, welcher am Waldrand endet. Vor mir liegen die Schilfwiesen, durch einen Wassergraben vom Wald getrennt. Neben diesem Wassergraben verläuft ebenfalls ein ziemlich zugewachsener Dammweg. Diesen laufe ich ein Stück hinein und verharre dann, Augen und Ohren aufgesperrt. Inzwischen ist es kurz vor 18.00 Uhr und das Konzert der Hirsche hat begonnen. Aus dem Schilf dröhnt der wilde Ruf eines vermutlich alten Kämpen, mit dem typischen Stakato, mit welchem er seine Kühe zusammenhält. Das scheint notwendig, denn aus Schilf und Wald erklingen die Antworten der Mitbewerber, inbrünstig und voller Verlangen. Aus dem Augenwinkel erkenne plötzlich ich einen rotbraunen Fleck und erstarre zur Salzsäule. Aus dem Schilf, keine 50 m entfernt, tritt ein jüngerer Hirsch, watet durch den Graben und erklimmt meine Uferseite. Dann hat er mich entdeckt. Auge in Auge stehen wir da und beobachten uns. Mir gelingt noch ein Foto, bevor er wie ein Schatten im Wald verschwindet. In der einsetzenden Dämmerung nimmt ein kleines Wildschwein den entgegengesetzten Weg und wenig später verlässt ein zweiter Hirsch durch den Wassergraben die Schilfwiese. Das Konzert nimmt weiter Fahrt auf. So dicht war ich noch nie am Ort des Geschehens. Im Schilf ist zwar so gut wie nichts zu sehen, dafür gibt es ordentlich was auf die Ohren. Gegen 19.30 verlasse ich den Waldrand und kehre zum Auto zurück. Ich freue mich schon auf das nächste Mal.

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